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Die Highlights der Partie in Mainz – 4:4

4:1 verspielt: Mainz vermasselt Generalprobe für Europa. TSG mit zeigt Willen!

Pablo de Blasis (3./23), Jhon Cordoba (27.) und Neuzugang Levin Öztunali (43.) trafen zur historischen Halbzeitführung für die Gastgeber, die erstmals vier Tore in den ersten 45 Minuten erzielten. Getrübt wurde die Stimmung durch die Rote Karte gegen Gaetan Bussmann (57.), der nach einer Notbremse vom Platz musste.

Hoffenheim kämpfte sich nach einer ganz schwachen ersten Hälfe nach dem Platzverweis zurück. Sandro Wagner hatte bereits vor der Pause getroffen (39.), der eingewechselte Mark Uth per Doppelpack (71./72) und der Ex-Mainzer Adam Szalai (84.) krönten die Aufholjagd.

Vor 27.408 Zuschauern und bei hochsommerlichen Temperaturen brauchte de Blasis gerade einmal 179 Sekunden, ehe er TSG-Torwart Oliver Baumann per Kopf bezwang. Die Gastgeber, auf die in den kommenden 20 Tage sechs Pflichtspiele zukommen, blieben in der Folge das überlegene Team. Der Blitz-Torschütze hätte mit einem Distanzschuss sogar noch früher erhöhen können (12.). Baumann war aber zur Stelle.

Hoffenheim zu Beginn ohne Gegenwehr

Die Hoffenheimer leisteten in dieser Phase des Spiels erschreckend wenig Gegenwehr. In der Offensive fehlten dem Team von Trainer Julian Nagelsmann die Ideen, immer wieder verhinderten Fehlpässe einen geordneten Spielaufbau. Wieder de Blasis nach Vorarbeit des starken Öztunali und Cordoba nach einem Baumann-Fehler bestraften die Passivität der Kraichgauer gnadenlos.

Nagelsmann stand nach der desolaten ersten halben Stunde fuchsteufelswild an der Seitenlinie und wechselte früh: Stürmer Uth kam für den schwachen Abwehrspieler Fabian Schär (36.). Wagner ließ die Hoffenheimer anschließend kurz hoffen. Doch Öztunali stellte den alten Abstand noch vor dem Halbzeitpfiff wieder her.

Für die TSG-Fans hatte der Tag bereits schlecht begonnen. Vor der Partie war ein Schiff, das sich mit rund 400 Anhängern der Kraichgauer an Bord auf dem Weg nach Mainz befand, von Unbekannten von einer Rhein-Brücke aus mit Gülle attackiert worden. Den Vorfall bestätigte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mannheim dem SID. „Was da passiert ist, ist menschenverachtend, grob fahrlässig und sogar gefährliche Körperverletzung“, sagte TSG-Präsident Peter Hofmann der Bild.

Umschwung bei Hoffenheim

Im Stadion machte den mitgereisten Hoffenheimern auch die zweite Hälfte zunächst wenig Hoffnung. Mainz blieb das bessere Team. Aber der Platzverweis gegen Bussmann veränderte die Kräfteverhältnisse. Uth brachte die Hoffenheimer noch einmal heran, Szalai glich aus.

Beste Mainzer waren de Blasis und Öztunali, bei der TSG gefielen Uth und Vorbereiter Andrej Kramaric.

6:0 Sieg in Runde 1

1899 Hoffenheim ist mühelos in die zweite Runde des DFB-Pokal eingezogen.

Das Team von Trainer Julian Nagelsmann siegte am Sonntag auch ohne die Olympia-Zweiten Niklas Süle und Jeremy Toljan beim Regionalligisten 1. FC Germania Egestorf/Langreder bei dessen erstem Pokal-Auftritt klar mit 6:0 (4:0).

0:1 Kramaric (18., Rechtsschuss, Schär)
0:2 Rudy (21., Rechtsschuss)
0:3 Kramaric (32., Rechtsschuss, Uth)
0:4 Uth (43., Rechtsschuss, Rudy)
0:5 Kramaric (80., Rechtsschuss, Terrazzino)
0:6 Wagner (90., Rechtsschuss, Terrazzino)

Gelb-/Rote Karten

Egestorf/Lang.: Dismer(61.)
Hoffenheim: Kaderabek(72.)

Das Ziel ist: Es gibt kein Ziel

Wie kürzlich Julian Nagelsmann im Interview mit einem großen Boulevard-Blatt verlauten ließ, habe er keine Lust, abermalig gegen den Abstieg zu spielen.

Einleuchtend – die Situation aus Hamburg zeigt auf, dass nach jahrelangem Herumgegeistere des Abstiegsgespentes, die Nerven allmählich mehr als Blank liegen.
Dies bekam die sportliche Führung mehr als deutlich zu spüren. Ein stetiger, sich aufstauender Druck konnte nicht abgebaut werden.

Das Ventil (hier der sportliche Erfolg) konnte weder im modrigen Keller gesichtet, noch aufgedreht werden – auch mangelte es an handwerklicher Qualifikation um das Problem zu lösen.Der Druckausgleich erfolgte stets innerhalb des Vereins, wurde jedoch ungewollt gewollt nach Außen getragen – angeführt von einem Personalkarussel, welches sich jedoch gleich wieder im Medienjungle durch Nebenkriegsschauplätze ins Abseits schoss.

“ (…) Wer mich kennt, weiß, dass ich mit einer Zielsetzung wie Klassenerhalt nicht viel anfangen kann. Das befriedigt mich nicht. Wenn wir am Ende des Jahres eine gute Runde gespielt haben und sind dann Zwölfter, und jeder sagt, es war okay, dann werde ich nicht freudestrahlend durch Heidelberg laufen. Zufrieden bin ich, wenn wir richtig guten Fußball spielen und wenn wir auch Erfolg haben. Es soll eine Entwicklung stattfinden. Im Sport ist gewinnen das A und O, und wenn ich gewinne, dann geht’s mir gut. Wenn ich aber nicht gewinne, geht’s mir weniger gut. (…)“ “ (Quelle: BILD)

Um es aus unternehmerischer Sicht zu sagen: Es wird eine maximale Gewinnsteigerung erwartet.
Wie hoch dieser Gewinn sein soll, ist jedoch nicht benannt. Es gibt auch keine linke und keine rechte Grenze. Der Arbeitnehmer hat also den unterschwelligen Druck, stets mehr als 100% zu leisten, da es keine klare Linie gibt, die es zu überschreiten bzw. einzuhalten gilt.

Jahre zuvor wurden ehemalige Trainerkoryphäen post-mortem dafür angezählt, überschätzte Saisonziele auszugeben. „Auf dem Weg nach Europa“ galt hier als Paradebeispiel für einen unbewussten Druckaufbau, dem die Mannschaft schlussendlich unterlag.

„Europa ist definitiv nicht unser Saisonziel“ wurde dann eine Saison später wieder zurück gerudert – eher sei es ein solider Mittelfeldplatz, der das Fundament für kommende Spielzeiten darstellen würde. Sicherheit und Etablierung in der höchsten Spielklasse Deutschlands wurden in den Vordergrund gestellt – fernab vom ehemaligen Flair und der Selbstverständnis, als man damals ins Oberhaus aufstieg.

Fraglich ist es, ob bewusst kein Saisonziel ausgegeben wird.

Spielt man unter den Erwartungen, würde es Kritik von innen und außen hageln.
Spielt man innerhalb der erwarteten Regionen könnte dies evtl. milde abgenickt werden, begleitet von einem selbstgefälligen „Dies war ja auch unser Saisonziel“.

Spielt man somit also lieber über den Erwartungen der Anhängerschaft, in dem man keine Erwartungen streut bzw. genau definiert?

Psychologisch gesehen, ein bemerkenswerter Schachzug – aus sportlicher Sicht könnten Restzweifel bestehen.
Schlussendlich bleibt auch in der Saison 2016/17 der Fan ratlos zurück.

Quo vadis TSG 1899 Hoffenheim?

Realistischer Optimismus

Beißen sich eigentlich die Begriffe realistisch und Optimismus? Möglicherweise. Aber wenn ich an die kommende Saison denke, sind es die ersten beiden Worte, die mir einfallen. Mehr und mehr stellt sich ein Gefühl der Vorfreude ein. Mit jedem Trainingstag, Testspiel, Transfer und Trainerkommentar steigt diese Vorfreude. Julian Nagelsmann hat schon jetzt etwas geschafft, wo andere gnadenlos gescheitert sind: Er schafft es den wichtigsten Mann, nämlich den 12., hinter sich und das Team zu bringen.

Vor kurzem hab ich ein Interview mit ihm gelesen, wo er den Nichtabstieg nicht als Ziel, sondern als selbstverständliche Aufgabenstellung ausgibt. Das Ziel sei der maximale Erfolg. Im ersten Moment fühlte ich mich an Markus Babbel zurückerinnert. Jener Bayer, der als Trainer und Manager in Personalunion fungierte und in jedem Interview die Euro League als Ziel definierte. Letztlich sollte er gnadenlos scheitern.
Doch bereits im zweiten Moment wurde mir bewusst, wie viele Unterschiede zwischen den beiden Trainern und auch den jeweiligen Ausgangssituationen liegen.

Zum einen wären da die Transfers:

Markus Babbel holte, als wolle er seine forschen Aussagen unbedingt durch Taten untermauern, ausschließlich sogenannte Top-Spieler. Wiese, Derdiyok, Delpierre, Joselu usw. Alles gestandene Spieler, die von renommierten Vereinen mit hohen Gehältern und europäischen Versprechungen weggelockt wurden. Dass sich keiner der genannten mit dem Verein auch nur ansatzweise identifizieren konnte und zudem in keinster Weise zu den ursprünglichen Leitlinien unserer TSG passten – geschenkt.

Die diesjährigen Transfers hingegen leben nicht von ihren Namen – im Gegenteil: Sie sind gerade erst dabei, sich einen zu machen. Hungrig, motiviert und überwiegend jung – die Leitlinie ist wieder deutlich zu erkennen.

Zum anderen wäre da noch das Fundament, auf das die jeweiligen Zielsetzungen aufgebaut werden.

Babbels Fundament bestand einzig und allein aus den Transfers und den Interviews. Eine Art Hau-Ruck Aktion. Innerhalb eines Jahres von den unteren Tabellengefilden bis ganz nach oben. Ohne großen Anlauf, ohne große Vorbereitungsarbeiten. Ein wirklicher Plan, sowohl in der Mannschaft als auch im gesamten Verein, war nicht zu erkennen. Es wirkte wie ein Kartenhaus, besonders hoch gebaut, bei dem aber der Boden vergessen wurde und welches somit bei dem ersten größeren Gegenwind in sich zusammenbrach. Ein Absturz mit Ansage, beginnend mit dem Berliner AK, seinen Höhepunkt findend mit der berühmten Trainingsgruppe 2.

Heute finden wir ein ganz anderes Fundament vor. Ein Boden, der Halt gibt und auch mögliche Schwächephasen abfängt. Nagelsmann selbst ist mit dafür verantwortlich. Jahrelang unser erfolgreicher A-Jugend Trainer, kennt er die Strukturen und Philosophie des gesamten Vereins. Einige Spieler im Kader waren schon in der Jugend unter seiner Leitung, und mit jedem Jahr werden es mehr. Er spricht die Sprache der Spieler, er spricht die Sprache des Vereins. Und er weiß uns Fans in seinem Rücken!

Übrigens, bei führenden Buchmachern gibt es eine 17:1 Quote darauf, dass Hoffenheim unter die ersten sechs kommt. Man könnte ja mal investieren. Nicht viel, nur realistisch optimistische 10 Euro.