Das Ziel ist: Es gibt kein Ziel

Wie kürzlich Julian Nagelsmann im Interview mit einem großen Boulevard-Blatt verlauten ließ, habe er keine Lust, abermalig gegen den Abstieg zu spielen.

Einleuchtend – die Situation aus Hamburg zeigt auf, dass nach jahrelangem Herumgegeistere des Abstiegsgespentes, die Nerven allmählich mehr als Blank liegen.
Dies bekam die sportliche Führung mehr als deutlich zu spüren. Ein stetiger, sich aufstauender Druck konnte nicht abgebaut werden.

Das Ventil (hier der sportliche Erfolg) konnte weder im modrigen Keller gesichtet, noch aufgedreht werden – auch mangelte es an handwerklicher Qualifikation um das Problem zu lösen.Der Druckausgleich erfolgte stets innerhalb des Vereins, wurde jedoch ungewollt gewollt nach Außen getragen – angeführt von einem Personalkarussel, welches sich jedoch gleich wieder im Medienjungle durch Nebenkriegsschauplätze ins Abseits schoss.

“ (…) Wer mich kennt, weiß, dass ich mit einer Zielsetzung wie Klassenerhalt nicht viel anfangen kann. Das befriedigt mich nicht. Wenn wir am Ende des Jahres eine gute Runde gespielt haben und sind dann Zwölfter, und jeder sagt, es war okay, dann werde ich nicht freudestrahlend durch Heidelberg laufen. Zufrieden bin ich, wenn wir richtig guten Fußball spielen und wenn wir auch Erfolg haben. Es soll eine Entwicklung stattfinden. Im Sport ist gewinnen das A und O, und wenn ich gewinne, dann geht’s mir gut. Wenn ich aber nicht gewinne, geht’s mir weniger gut. (…)“ “ (Quelle: BILD)

Um es aus unternehmerischer Sicht zu sagen: Es wird eine maximale Gewinnsteigerung erwartet.
Wie hoch dieser Gewinn sein soll, ist jedoch nicht benannt. Es gibt auch keine linke und keine rechte Grenze. Der Arbeitnehmer hat also den unterschwelligen Druck, stets mehr als 100% zu leisten, da es keine klare Linie gibt, die es zu überschreiten bzw. einzuhalten gilt.

Jahre zuvor wurden ehemalige Trainerkoryphäen post-mortem dafür angezählt, überschätzte Saisonziele auszugeben. „Auf dem Weg nach Europa“ galt hier als Paradebeispiel für einen unbewussten Druckaufbau, dem die Mannschaft schlussendlich unterlag.

„Europa ist definitiv nicht unser Saisonziel“ wurde dann eine Saison später wieder zurück gerudert – eher sei es ein solider Mittelfeldplatz, der das Fundament für kommende Spielzeiten darstellen würde. Sicherheit und Etablierung in der höchsten Spielklasse Deutschlands wurden in den Vordergrund gestellt – fernab vom ehemaligen Flair und der Selbstverständnis, als man damals ins Oberhaus aufstieg.

Fraglich ist es, ob bewusst kein Saisonziel ausgegeben wird.

Spielt man unter den Erwartungen, würde es Kritik von innen und außen hageln.
Spielt man innerhalb der erwarteten Regionen könnte dies evtl. milde abgenickt werden, begleitet von einem selbstgefälligen „Dies war ja auch unser Saisonziel“.

Spielt man somit also lieber über den Erwartungen der Anhängerschaft, in dem man keine Erwartungen streut bzw. genau definiert?

Psychologisch gesehen, ein bemerkenswerter Schachzug – aus sportlicher Sicht könnten Restzweifel bestehen.
Schlussendlich bleibt auch in der Saison 2016/17 der Fan ratlos zurück.

Quo vadis TSG 1899 Hoffenheim?

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