Realistischer Optimismus

Beißen sich eigentlich die Begriffe realistisch und Optimismus? Möglicherweise. Aber wenn ich an die kommende Saison denke, sind es die ersten beiden Worte, die mir einfallen. Mehr und mehr stellt sich ein Gefühl der Vorfreude ein. Mit jedem Trainingstag, Testspiel, Transfer und Trainerkommentar steigt diese Vorfreude. Julian Nagelsmann hat schon jetzt etwas geschafft, wo andere gnadenlos gescheitert sind: Er schafft es den wichtigsten Mann, nämlich den 12., hinter sich und das Team zu bringen.

Vor kurzem hab ich ein Interview mit ihm gelesen, wo er den Nichtabstieg nicht als Ziel, sondern als selbstverständliche Aufgabenstellung ausgibt. Das Ziel sei der maximale Erfolg. Im ersten Moment fühlte ich mich an Markus Babbel zurückerinnert. Jener Bayer, der als Trainer und Manager in Personalunion fungierte und in jedem Interview die Euro League als Ziel definierte. Letztlich sollte er gnadenlos scheitern.
Doch bereits im zweiten Moment wurde mir bewusst, wie viele Unterschiede zwischen den beiden Trainern und auch den jeweiligen Ausgangssituationen liegen.

Zum einen wären da die Transfers:

Markus Babbel holte, als wolle er seine forschen Aussagen unbedingt durch Taten untermauern, ausschließlich sogenannte Top-Spieler. Wiese, Derdiyok, Delpierre, Joselu usw. Alles gestandene Spieler, die von renommierten Vereinen mit hohen Gehältern und europäischen Versprechungen weggelockt wurden. Dass sich keiner der genannten mit dem Verein auch nur ansatzweise identifizieren konnte und zudem in keinster Weise zu den ursprünglichen Leitlinien unserer TSG passten – geschenkt.

Die diesjährigen Transfers hingegen leben nicht von ihren Namen – im Gegenteil: Sie sind gerade erst dabei, sich einen zu machen. Hungrig, motiviert und überwiegend jung – die Leitlinie ist wieder deutlich zu erkennen.

Zum anderen wäre da noch das Fundament, auf das die jeweiligen Zielsetzungen aufgebaut werden.

Babbels Fundament bestand einzig und allein aus den Transfers und den Interviews. Eine Art Hau-Ruck Aktion. Innerhalb eines Jahres von den unteren Tabellengefilden bis ganz nach oben. Ohne großen Anlauf, ohne große Vorbereitungsarbeiten. Ein wirklicher Plan, sowohl in der Mannschaft als auch im gesamten Verein, war nicht zu erkennen. Es wirkte wie ein Kartenhaus, besonders hoch gebaut, bei dem aber der Boden vergessen wurde und welches somit bei dem ersten größeren Gegenwind in sich zusammenbrach. Ein Absturz mit Ansage, beginnend mit dem Berliner AK, seinen Höhepunkt findend mit der berühmten Trainingsgruppe 2.

Heute finden wir ein ganz anderes Fundament vor. Ein Boden, der Halt gibt und auch mögliche Schwächephasen abfängt. Nagelsmann selbst ist mit dafür verantwortlich. Jahrelang unser erfolgreicher A-Jugend Trainer, kennt er die Strukturen und Philosophie des gesamten Vereins. Einige Spieler im Kader waren schon in der Jugend unter seiner Leitung, und mit jedem Jahr werden es mehr. Er spricht die Sprache der Spieler, er spricht die Sprache des Vereins. Und er weiß uns Fans in seinem Rücken!

Übrigens, bei führenden Buchmachern gibt es eine 17:1 Quote darauf, dass Hoffenheim unter die ersten sechs kommt. Man könnte ja mal investieren. Nicht viel, nur realistisch optimistische 10 Euro.

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